Früchte der Kakteen

Die Früchte der Kakteen sind äußerst vielgestaltig. Sie reifen meistens zu mehr oder weniger fleischigen und saftigen Beeren
(Mammillaria), zu trockenen, aufspringenden Kapseln (Rebutia) oder schließlich zu verwitterten Trockenfrüchten (Frailea) heran.
Der
Fruchtknoten ist im Achsengewebe eingesenkt und somit unterständig. Dadurch besteht die Fruchtwand (Pericarp) zum größten Teil aus Sprossewebe, die Frucht wird deshalb häufig als Scheinfrucht bezeichnet.
Durch die besondere Beteiligung von Achsengewebe bei der Ausbildung der Frucht zeigt diese einen ausgesprochenen Sprossachsencharakter.
So können an der Frucht noch Blätter (Pereskia) oder bedornte
Areolen sitzen.
Bei Pereskien und Cylindropuntien entstehen an der Frucht sogar neue Sprosse oder Blüten (diese Erscheinung wird als
Proliferation bezeichnet; z.B. bei Cylindropuntia salmiana). Unreife Früchte von Cylindropuntien können wie Stecklinge bewurzelt werden. Auch bei phylogenetisch höher entwickelten Kakteen ist die Sprossnatur der Frucht durch Schuppen mit bedornten oder wolligen Areolen noch deutlich ausgeprägt. Bei saftigen Früchten sind die Samen in sogenanntes Fruchtfleisch eingebettet. Hier handelt es sich um ein als Pulpa bezeichnetes Knäuel saftig und fleischig gewordener Samenstränge. Bei der Samengewinnung müssen Reste des Fruchtfleisches an den Samen durch sorgfältiges Waschen mit
Permanganatlösung beseitigt werden, da sie leicht schimmeln können und zur Verpilzung der Aussaat beitragen. Das saftige Fruchtfleisch wird von zahlreichen Insekten (Ameisen), Vögeln und Nagern begehrt, womit Voraussetzungen für die Verbreitung der Samen gegeben sind.
Besonders eigenartig sind die Früchte bei den Gattungen Neochilenia und Islaya. Hier befindet sich im Inneren der Frucht ein großer Hohlraum, in den von oben ein offenes Säckchen hineinragt, in welchem die Samen sitzen. Das Säckchen besteht aus Anteilen der Fruchtblätter, die nicht mit der Fruchtwand verwachsen sind. Die Samen fallen hier in den Hohlraum und werden durch das an der unteren Abbruchstelle entstehende Loch ausgestreut.
Fr. Ritter spricht auf Grund seiner Beobachtungen am Standort von Windverwehungsfrüchten. Bei Neochilenia areocarpa rollen die roten Früchte auf einem Borstenmantel über den Wüstensand, wobei die Samen ausgestreut werden. Früchte verschiedener Kakteen werden in Mittel- und Südamerika vielerorts gegessen. Besonders beliebt sind die Früchte der "Nopales", der Feigenkakteen. Diese Früchte werden von den Eingeborenen als "Auna" bezeichnet. Beliebt sind außerdem auch die "Geranbullos", die kleinen gelben Früchte von Myrtillocactus , sowie die kleinen "Chilitos", hauptsächlich Mammillarienfrüchte. In den USA spricht man im Falle einiger Echinocereen, die wohlschmeckende Früchte liefern, von "strawberry-cactus", d.h. Erdbeerkaktus.

Es folgt ein - wirklich - kleines Lexikon der Kakteenfrüchte:

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