das Kakteen - Lexikon von A - Z

Kammformen: (forma cristata);
bei Kakteen, aber auch bei anderen Blütenpflanzen auftretende Verbänderungen, die im Bereich des Sprosse und der Blüte vorkommen können.
Es handelt sich um Wachstumsanomalien, wobei sich der punktförmige Vegetationskegel im Scheitel der Kakteen bandförmig (Verbänderung!) umgestaltet und somit lange, oft vielfach gewundene Kämme zustande kommen. Die Bildung von K. ist nicht auf besondere Gattungen innerhalb der Kakteen beschränkt, sondern wird sowohl bei ursprünglichen (Pereskiopsen) als auch bei hochabgeleiteten
(
Mammillarien) beobachtet. Über die Ursache, die zur Bildung von K. bei Kakteen führen, gibt es keine gesicherten und allgemeingültigen Erkenntnisse, wohl aber eine Vielzahl von Hypothesen. So wurde vermutet, dass Verbänderungen als Ergebnis eines Systemüberdrucks und eines damit verbundenen Überangebots von Wirkstoffen (Phytohormonen) entstehen. Bei sehr alten Pflanzen, insbesondere bei Säulenkakteen am Standort, wurden die K. als Abschluss?eines nicht unbegrenzten Höhenwachstums, gewissermaßen als Alterserscheinung, gewertet. Vielfach trat auch die Meinung auf, das K. durch mechanische Verletzung des Scheitels (z.B. Insektenfraß zustande kommen kann. K. als Folge von Virus- oder Bakterienbefall wurde ebenfalls diskutiert.
Neuerdings machte Blossfeld Pilzinfektion für die K. verantwortlich. Danach wird möglicherweise die Verbänderung durch eine Pilzinfektion eingeleitet, die jedoch wieder abklingen muss, denn bisher wurden in den K. keine Pilzhyphen nachgewiesen. Die Kammbildung soll durch Wirkstoffe zustandekommen, die von den Pilzhyphen abgesondert werden.
Bei anderen Blütenpflanzen wurden in einigen Fällen Verbänderungen tatsächlich durch Pilzbefall ausgelöst. Hier konnten in der Tat die für die Kammbildung verantwortlichen Pilzarten isoliert werden.
Endgültige Klärung dieses Phänomens bei Kakteen müssen jedoch weitere Untersuchungen bringen. Es ist auffällig, dass K. in der Regel sehr weichfleischig sind. Blossfeld weist darauf hin, dass selbst kiloschwere K. von Trichocereus pasacana trotz ihres hohen Alters keine Verholzungen aufweisen. Am Standort sind sie in ihrem Inneren von zahlreichen Fressgängen durch Insektenlarven durchzogen.
Die wiederholt von großen Kämmen am Standort geernteten Samen erbrachten in keinem Fall verbänderte Nachkommen. Damit konnte kein allgemeingültiger Hinweis erbracht werden, dass Verbänderungen immer erblich sind. Am Standort und mehr noch in den Sammlungen sind K. sehr blühfaul.


 
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