das Kakteen - Lexikon von A - Z

Bau des Kakteenkörpers:
Das Zustandekommen des Kakteenkörpers mit seiner großen Formenvielfalt lässt sich besonders günstig am Beispiel der Bau des Kakteenkörpers Cylindropuntien verfolgen. Geht man von einer beblätterten Pflanze aus, so ist folgendes geschehen:
An die sukkulent gewordene Sprossachse legt sich der untere Teil des Blattes (
Blattgrund) an, und dieser verwächst mit ersterer. Dadurch kommt es zu einer sukkulenten Berindung. Der mit der Sprossachse verwachsene Blattgrund wird als Podarium bezeichnet. Die eigentliche Areolenbildung Blattspreite wird bei den Opuntien im Neutrieb noch angelegt, im Zuge der Höherentwicklung aber nahezu völlig reduziert. Der bei einer normal beblätterten Pflanze in der Blattachsel sitzende Seitenspross erfährt eine besonders charakteristische Umbildung. Er wird völlig gestaucht, wobei seine Blätter zu Dornen umgebildet werden, die im allgemeinen Sprachgebrauch früher als Stacheln bezeichnet wurden. Dieser umgewandelte Seitenspross trägt die Bezeichnung Areole. Die Areole sitzt zunächst recaulescent dem
Podarium auf Cylindropuntien. Verwachsen die Podarien einer Geradzelle (Orthostiche) miteinander, so kommt es zur Bildung von Rippen. Rippenbild Dieser Vorgang ist noch bei vielen Kakteen gut zu beobachten
(
Echinocactus grusonii). Bei den Platyopuntien oder noch ausgeprägter bei Epiphyllum- oder einigen Rhipsalis- Arten kommt es zu einer besonderen Abflachung, wobei die Podarien nicht mehr deutlich abzugrenzen sind. Diese blattähnlichen Phyllokladien können sogar noch gekerbt sein und erwecken den Eindruck eines gefiederten Blattes (Marniera).
Das Vortäuschen blattähnlicher Gebilde bei zahlreichen hochentwickelten nordamerikanischen Gattungen wie
Leuchtenbergia, Roseocactus, Ariocarpus, erfolgt noch auf andere Weise. Hier kommt es u.a. zu einer besonderen Betonung des Podariums, das bei Ariocarpus spitz ausläuft und unter Reduktion der Areole den Eindruck einer rosettenförmig beblätterten Pflanze aufkommen läßt. Mit der Umformung der Podarien zu Mamillen treten außerdem bei einigen Gattungen bemerkenswerte morphologische Eigentümlichkeiten auf. Hier verlängert sich die Areole zu einer bewollten Furche.
Die Furchenbildung, wie sie z.B. bei
Coryphantha, Roseocactus, Lepidocoryphantha usw. auftritt, leitet die seriale Spaltung des Vegetationskegels ein, wie sie bei Mammillaria schließlich vollständig ausgeprägt ist. Neben dem primären Areolenvegetationspunkt kommt es durch diese Teilung zur Ausbildung eines zweiten Vegetationspunktes am Grunde der Warze. Aus diesem meist bewollten Punkt, der Axille, entspringen die Blüten.


 
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